Jedes Mal, wenn ich jemanden kennenlerne, ganz egal ob Rohköstler, Veganer oder Vegetarier, muss ich unbedingt erfahren, was ihn zu dieser Ernährungsform bewegt hat. Dies führt immer zu sehr interessanten Gesprächen und oftmals auch zu neuen Freundschaften. Hier erzähle ich euch meine Geschichte.

 

 

 

 

 

Wie ich zur Rohkost kam

Im Sommer 2010 machte ich einen Sprachaufenthalt in Nord-Amerika. Meine erste Station war der Himmel auf Erden für Veganer – New York. Von welcher anderen Stadt existiert schon ein Restaurantführer mit über 100 Seiten? Mit meiner „Fleisch essenden Freundin“ Ane aus Norwegen besuchte ich das Restaurant Quintessence im trendigen East Village.
Die Menu-Karte besteht ausschliesslich aus rohen und veganen Gerichten.  Besonders die Pizzen hatten mich neugierig gemacht. Als die „Pizza“ dann vor mir lag, war ich ganz ehrlich gesagt doch etwas enttäuscht. Sie war nicht sonderlich gross und nicht mal rund! Ich liess mich aber nicht allzu sehr davon beeinflussen und nahm den ersten Bissen. Was ging da in meinem Mund vor? Eine ganze Explosion von verschiedenen Geschmacksrichtungen entfalteten sich in meinem Mund, verbunden zu einem perfekten Ganzen! Ich hatte noch nie etwas so geschmacksintensives und absolut vollkommenes gekostet. Klingt verrückt, ich weiss, aber nicht mal die hausgemachte Pizza meiner Mutter, die ich bis dahin als „DIE Pizza“ bezeichnete und nein, sie ist keine Italienerin, konnte mit dieser „rohen“ Version mithalten.
Auch meine Freundin Ane, die übrigens in der Zwischenzeit zum fast Veganer mutiert hat, schwärmt heute noch von unserem Rohkost-Lunch. Während meiner Reise hatte ich mehrmals die Gelegenheit, in Rohkost-Restaurants zu schlemmen und jedes Mal war ich hin und weg. Nicht nur vom Essen, sondern auch von diesem Wohlgefühl und der Energie, die ich nach dem Essen verspürte. Nichts im Vergleich zur Schläfrigkeit und dem Völlegefühl, das ein allzu üppig gekochtes Essen gerne mit sich bringt.
Zurück zu Hause musste ich mich einfach mit dem Thema Rohkost genauer auseinander setzen. Ich war verblüfft, was für gesundheitliche Vorteile eine solche Ernährung mit sich bringt und das auf eine solch leckere Art und Weise. Ich meine wer kennt das nicht, wir bestellen uns irgendwo eine Pizza, mit einem Teig aus Weissmehl, einem allzu fettigen Käse und irgendeinem Belag der alles andere als frisch aussieht. Wer hat sich da nicht auch schon gesagt, ja ich weiss, dass ist jetzt nicht das gesündeste Essen, aber es schmeckt einfach so gut. Wieso also nicht seinem Körper die Vitamine, Enzyme und Nährstoffe geben, die er sich wünscht und dabei noch super lecker essen?
In allen Berichten, die ich über die Rohkosternährung gelesen habe, erfuhr ich immer wieder von Leuten, deren Hautbild sich massiv verbessert hatte und richtig zu strahlen anfing.
Geplagt von einem schlechten Hautbild und erfolglosen Versuchen, mein Problem in den Griff zu bekommen, war ich nun erst recht gewillt, meine bis jetzt vegane Ernährung auf roh umzustellen.
Mein Hautbild hatte sich in kurzer Zeit drastisch verbessert und die Rohkost hat mir viele weitere Vorteile gebracht – mehr Energie und Gelassenheit, gesteigerte Konzentrationsfähigkeit, Schlemmen ohne schlechtes Gewissen.

 

Wie ich zum Vegetarier und Veganer wurde

Mit 11 Jahren habe ich mir „ein Schweinchen Namens Babe“ angeschaut und mich verliebt…
Nein, nicht in den Bauern aber in das Ferkel. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich nicht länger Babe‘s Verwandte verzehren wollte.
Ich erklärte also meiner Mutter, dass ich kein Schweinefleisch mehr esse. Mit der Zeit kamen dann immer mehr Tiere dazu, die ich nicht mehr auf meinem Teller haben wollte. Mit 17 Jahren beschloss ich, ganz auf Fleisch zu verzichten.
Mit 22 Jahren lernte ich einen Veganer kennen. Er erzählte mir alles über diese „extremere“ Art des Vegetarismus. Ich war tief beindruckt und es ergab auch alles einen Sinn für mich. Aber ich war wohl einfach noch nicht bereit dazu. Es dauerte schliesslich noch weitere zwei Jahre, in denen ich vieles über die vegane Ernährung las und mich immer mehr darauf hin bewegte. Irgendwann beschloss ich keine Eier mehr zu essen. Kurz darauf als ich auf dem Weg zur Arbeit war, sah ich in der Zeitung ein Bild von einer Kuh, die an der Melkmaschine stand. Den schmerzverzehrten Gesichtsausdruck dieses Geschöpfes werde ich mein Leben lang nie vergessen. Ich fühlte mich schuldiger denn je, dass Tiere für mein leibliches Wohl leiden müssen. Also beschloss ich in diesem einen Augenblick, mit der Zeitung in der Hand: „Von nun an lebe ich vegan!“
Bei der Arbeit angekommen, erzählte ich meiner Arbeitskollegin von den Neuigkeiten.
Sie meinte nur: „Wir wussten beide, dass du dich irgendwann dafür entscheiden wirst.“
Nun ja, wirkliche lange habe ich es an dem Tag als Veganer nicht ausgehalten. Als ich nämlich während meiner Mittagspause in das kleine Restaurant vis-à-vis von meinem damaligen Arbeitsplatz ging, fand ich lediglich einen Salatteller oder Raclette als vegetarische Gerichte auf der Karte. Da es Winter war und ich zu dieser Zeit noch auf eine deftige Mahlzeit aus war, entschied ich mich, ja ich gebe es ungern zu, für das Raclette. Es dauerte dann noch zwei Wochen, bis ich zum Vollzeit-Veganer wurde. In den folgenden Monaten erlebte ich etwas völlig Neues. Obwohl ich während dieser Zeit mehr gegessen hatte, verlor ich rasant einen beträchtlichen Anteil an Babyspeck (ja, ich formuliere das extra nett). Aber nicht nur das war einer der Vorteile, ich hatte auf einmal eine unglaubliche Zufuhr an Energie! Das ging so weit, dass ich nach einigen Monaten beschloss, mit Sport anzufangen. Ich, deren Lieblingsmotto war, Sport gleich Mord! Und das alles nur, um mich endlich wieder einmal abends ins Bett zu legen und mich richtig müde zu fühlen.
Leider hat die „Fertigproduktion“ in den letzten Jahren entdeckt, dass sich mit veganem Junk-Food auch Geld verdienen lässt. Viele Produkte enthalten zu viel ungesundes Fett, einen hohen Anteil Salz, raffinierte Kohlenhydrate u.s.w.
Eine vegane Ernährung, die mehrheitlich aus frischem Gemüse, Früchten, Nüssen, Samen und Kernen, in ihrem rohen, wenn möglich gekeimten Zustand besteht, kann einen unglaublichen Wert für Gesundheit und Wohlgefühl haben.

 

 
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